Wie fühlt man sich in Nazi-Uniform, Herr Bleibtreu?
Er ist einer der coolsten Schauspieler Deutschlands – und einer der besten ...
Heute wird Moritz Bleibtreu 40 Jahre alt. Zum Geburtstag schenkt er sich einen Kino-Film. „Mein bester Feind“ (Start: 1. September). Er spielt einen Juden, der sich als SS-Offizier verkleidet, um zu überleben.
BILD: Herr Bleibtreu, wie schwer trägt sich so eine Nazi-Uniform?
Moritz Bleibtreu: „Mein Beruf ist ja das Verkleiden – aber ich gebe zu: Das ist schon strange...“
BILD: Inwiefern?
Bleibtreu: „Ohne dass man das jetzt falsch versteht: Diese Uniformen hatten ja irgendwie einen ziemlichen Schick. Diese Schweine hatten schon ein extremes Gespür für Look, für gutes Aussehen. Und das ist natürlich auch einer der Gründe gewesen, wie man wahnsinnig viele Leute verführen konnte.“
BILD: Sie liebten zuletzt eher extreme Rollen: Nazis, Terroristen, Drogen-Gangster.
Bleibtreu: „Die Figuren suchen mich aus, nicht andersherum. Das habe ich irgendwann gemerkt. Manche Filme hätte ich vielleicht zwei, drei Jahre später nicht gemacht, weil ich nicht derselbe gewesen wäre.“
Er zündet sich eine Zigarette an. Schwarzes Einwegfeuerzeug, rote Gauloises.
BILD: Rauchen Sie viel?
Bleibtreu: „Nö, ich rauch halt. Das Gemeine ist ja: Wenn ich jetzt das Gefühl hätte, das würde mir so richtig schaden – dann würde ich damit vielleicht auch anders umgehen.“
BILD: Können Sie noch 40 Kerzen auf der Geburtstags-Torte auspusten?
Bleibtreu: „Das würde ich schon denken. Ich bin tatsächlich noch relativ fit. Aber es ist ja so, dass viele tolle Sachen auf der Welt so ungesund sind.“
BILD: Ihr neuer Film spielt in den 40er Jahren. Die große Zeit von Billy Wilder und später Alfred Hitchcock. Mit wem hätten Sie lieber gedreht?
Bleibtreu: „Voll gemeine Frage. Mit beiden natürlich. Aber die hätten mich ja sowieso gar nicht besetzt.“
BILD: Warum?
Bleibtreu: „Die mochten doch keine Schauspieler, die haben nur Stars besetzt.“
BILD: Sie sind ein Star ...
Bleibtreu: „Ich bin Schauspieler.“
BILD: ... der nur noch fürs Kino arbeitet. Hätten Sie nicht mal Bock, einen „Tatort“-Kommissar zu spielen?
Bleibtreu: „Nee, das hat aber mit Bock nichts zu tun. Das ist eine grundsätzliche Entscheidung, die sich auch nicht auf die Qualität im deutschen Fernsehen bezieht, was oft falsch verstanden wird.“
BILD: Sondern?
Bleibtreu: „Ich mag das Kino. Weil die Aufmerksamkeit, die man in eineinhalb Stunden aufbringt, eine ganz andere ist, als wenn man in der Unterhose auf der Couch sitzt und zu jeder Zeit wegschalten kann. Ich glaube, dass sich die Emotionen im Kino multiplizieren, wenn man das mit anderen Leuten guckt. Gerade in einer Zeit, wo jeder vor seinem Facebook-Rechner sitzt und meint, 800 Freunde zu haben, obwohl er eigentlich keinen hat.“
BILD: Und was ist jetzt mit „Tatort“?
Bleibtreu: „Wenn mich mal keiner mehr will, kann ich ja immer noch fragen, ob die nicht mal einen neuen ,Tatort‘-Kommissar brauchen!“
BILD: Sie haben einen zweijährigen Sohn, David. Wie bereitet sich ein Schauspieler auf die Vaterrolle vor?
Bleibtreu: „Das geht nicht. Das passiert ja einfach. Denn in dem Moment, wo das Kind da ist, wird das zu einem natürlichen Teil von dir – so wie dein Ohr. Und dieses Teil bestimmt dein Leben. Du musst das machen, was das kleine Ding von dir will, da hast du keine Wahl. Wenn der wieder schreit, musst du halt die Windeln saubermachen. Es gibt nur eines, was du wirklich brauchst ...“
BILD: ... und das wäre?
Bleibtreu: „LIEBE.“
(Quelle: bild.de/Action Press)
