Harald Serafin war am Boden zerstört. Der Intendant der Seefestspiele Mörbisch musste am Donnerstagabend die Premiere des "Zigeunerbarons" von Johann Strauß nach etwa eineinhalb Stunden Warten auf Beginn der Vorstellung schlussendlich absagen. Die Verantwortlichen warteten aufgrund von Wetterkapriolen lange Zeit zu und vertrösteten das Publikum.
Es hätte Serafins vorletzter, fulminanter Premierenabend in Mörbisch werden sollen. Denn im kommenden Jahr feiert der dann 80-jährige "Mister Wunderbar" sein 20. und zugleich auch letztes Intendantenjahr. Verabschieden wird er sich mit der Strauß-Operette "Die Fledermaus". Im Herbst übergibt er dann das Zepter an seine Nachfolgerin, Kammersängerin Dagmar Schellenberger.Keine Begrüßungsrede
Serafin bleibt somit nur noch einmal die Chance, seine berühmt-berüchtigte Begrüßungsrede am Premierenabend zu halten und den ein oder anderen Promi bzw. Ehrengast auf die Schaufel zu nehmen. Ihm heurigen Jahr blieb ihm dies nun verwehrt. Der sonst so "wunderbare" Draht zum Wettergott war nicht gut gespannt. Die Rede fiel ebenso wie die Vorstellung ins Wasser.
"Ich danke euch, ich danke euch wirklich für euer Durchhalten", sagte ein geknickter Intendant kurz nach 22 Uhr. Als Belohnung für eben dieses lange Durchhalten - einige Besucher hatten sich zwischenzeitlich schon auf dem Weg zum Auto gemacht - gab es abschließend ein großes Feuerwerk. Die Bühne verschwand danach in der Dunkelheit, der Regen verabschiedete sich und so auch die Premierengäste.
"Mir geht's beschissen", meinte Intendant Harald Serafin am Tag nach der Premierenabsage zur APA. "Es ist ja kein Unglück geschehen, aber die Freude über die Vorstellung für die Leute fiel ins Wasser", so der geknickte "Mister Wunderbar". Unterkriegen lasse er sich allerdings nicht: "Heute ist das Wetter wieder schön und wir spielen."
"Den Regenguss haben wir nicht gesehen"
"Es war wie verhext", meinte Seefestspiele-Geschäftsführer Dietmar Posteiner. Man habe zwei Meteorologieberater engagiert, die an Ort und Stelle das Wetter beobachtet haben. Die vorhergehenden Schauer bis zum Versuch, die Vorstellung zu beginnen, habe man einschätzen können. "Der Regenguss danach, als das Publikum bereits auf den Plätzen saß, den haben wir nicht gesehen", so Posteiner.
Franz Klammer durfte wieder mit Gattin kuscheln
Bereits bei der Fahrt Richtung Operetten-Mekka Mörbisch zeigte sich der Himmel schwarz. Ein Gewitter brachte Regen und auch Hagel. Die Prominenz unter den Premierenbesuchern zeigte sich dennoch gut gelaunt und verwies auf regenfeste Ausstattung: "Ich habe einen Mantel an, einen Regenschirm dabei und zusätzlich noch einen Regenschutz", meinte etwa Benimm-Experte Thomas Schäfer-Elmayer. Zusammengekuschelt unter dem Schirm "wie schon lange nicht mehr" zeigten sich auch Skilegende Franz Klammer und seine Frau.
Besucher erhalten Ticketpreis zurück
Die Karten für die verregnete und schlussendlich nicht stattgefundene Premiere können laut Seefestspiele Mörbisch eingeschrieben und mit den Kontodaten des Käufers versehen an die jeweilige Verkaufsstelle zurückgeschickt werden. Der Ticketpreis werde danach umgehend auf das Bankkonto rücküberwiesen. Eine Barauszahlung sei aus organisatorischen Gründen nicht möglich, hieß es.
Quelle: APA)