24 August 2011

Töchterle für Studiengebühren von 500 Euro pro Semester

Im Rahmen einer Pressekonferenz von Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz Töchterle wurde heute der Expertenbericht von Andrea Schenker- Wicki (Universität Zürich), Antonio Loprieno (Universität Basel, Präsident der Schweizerischen Rektorenkonferenz) und Eberhard Menzel (Hochschule Ruhr West) zum österreichischen Hochschulplan präsentiert. Für den FWF enthält der Bericht wichtige Impulse.

Die drei ExpertInnen aus der Schweiz und Deutschland waren zu Jahresbeginn von Wissenschafts- und Forschungsminister Karlheinz Töchterle eingeladen worden, das heimische Hochschul- und Forschungssystem zu analysieren und Empfehlungen für dessen weitere Entwicklung zu erarbeiten. Ihr Bericht mit dem Titel "Zur Entwicklung und Dynamisierung der österreichischen Hochschullandschaft: eine Außensicht" enthält das Ergebnis dieser Analyse und soll als wichtige Basis für die weitere Arbeit am Hochschulplan dienen. "Der Österreichische Hochschulraum zeichnet sich durch eine wertvolle Vielfalt aus, die auch weiterhin erhalten bleiben muss. Aber als kleines Land müssen wir diese Vielfalt bündeln, um Stärken zu stärken, Ressourcen optimal einzusetzen und auch international mithalten zu können. Dazu braucht es einen Gesamtüberblick, entsprechende Rahmenbedingungen und ein Mehr an Kooperation. Genau das ist das Ziel des Österreichischen Hochschulplans", so Töchterle bei der Präsentation im Wissenschaftsministerium.

Der FWF verbindet mit dem ambitionierten Hochschulplan die Hoffnung, forschungsstarke Universitäten in Österreich langfristig zu etablieren. "Die Universitäten als die wichtigsten Trägerinstitutionen der Grundlagenforschung müssen in Österreich im Fokus der Politik stehen", so FWF- Geschäftsführerin Dorothea Sturn.

Von den zahlreichen Empfehlungen der ExpertInnen strich der Minister unter anderem die Etablierung von Exzellenzclustern in Österreich sowie den Ausbau der FWF- Finanzierung hervor. "Das Renommee von Universitäten steht und fällt mit der Forschungsleistung", so Andrea Schenker- Wicki und Töchterle unisono.

Exzellenzcluster

Die von den drei ExpertInnen geäußerte Empfehlung, in Österreich die Exzellenzcluster auf den Weg zu bringen, begrüßt der FWF ausdrücklich. Das vom FWF gemeinsam mit dem BMWF entwickelte Exzellenzcluster- Programm hat zum Ziel, international sichtbare Zentren der Top- Forschung in Österreich nachhaltig auszubauen. "Das wäre ein wichtiges, ermutigendes Signal an die Scientific Community", so Sturn.

Ausgezeichnete Grundlagenforschung schafft nicht nur die Basis für innovative Entwicklungen; sie ist auch die effektivste Art, das Humankapital eines Landes im Top- Segment der Qualifizierungsstufen zu stärken und auszubauen. Die österreichischen Universitäten erhielten mit dem Exzellenzcluster- Programm des Wissenschaftsfonds die Chance, sich einem intensiven Wettbewerb für Forschungszentren zu stellen, die die Voraussetzungen schaffen, um unter international absolut vergleichbaren Top- Arbeitsbedingungen weltweit sichtbare Spitzenforschung "made in Austria" zu betreiben.

FWF unterdotiert

Ebenfalls im Bericht zur Sprache kommt die deutliche Unterdotierung des FWF. Mit einem Anteil von 0,44 % für Grundlagenforschung am BIP liegt Österreich deutlich hinter führenden Ländern wie der Schweiz, welche mit 0,83 % des BIP fast doppelt so viel in diesem Bereich investiert. In absoluten Zahlen ist der Unterschied sogar noch deutlicher: den 171,8 Mio. Euro Gesamtbewilligungsvolumen des FWF im Jahr 2010 steht dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) ein Budget von rund 595 Mio. Euro.

Um die beschränkten Mittel für Wissenschaft und Forschung effizient zu verteilen, schlägt das Trio die Einrichtung zweier neuer Gremien vor, die neben den Hochschulen auch die Forschung in Österreich koordinieren könnten: Neben der Hochschulkonferenz solle auch eine "Hochschulkommission" eingerichtet werden, in der vor allem die zuständigen Ministerien und die Länder vertreten sind und die die strategische Ausrichtung vorgeben soll. Töchterle zeigte sich allerdings skeptisch, ob ein solches Gremium tatsächlich eingerichtet wird.

Dynamische Regelung der Studiengebühren

Zustimmung ernteten die Experten von ihm hingegen mit ihrer Aufforderung, Zugangsbeschränkungen - bei Bachelor nur bei mehr Interessenten als Plätzen, bei Master und PhD immer - und Studiengebühren von 500 Euro pro Semester einzuführen. Damit könnte - neben dem Budgetmangel - noch ein weiteres Problem gelöst werden, das die Experten an Österreichs Unis ausgemacht haben: Derzeit verbringen 30 Prozent der Studenten nur einen Tag pro Woche an der Uni "und belasten natürlich das System", wie Menzel meinte. Aus Töchterles Sicht würden Zugangsregelungen und Studienbeiträge jedoch für mehr Verbindlichkeit sorgen und könnten damit auch die Dropout- Rate senken.

Zugangsbeschränkungen sind laut den Experten außerdem Voraussetzung einer Studienplatzfinanzierung, bei der die Kosten abhängig von Betreuungsverhältnis und Fachrichtung finanziert werden. Ein Teil dieser Studienplatzfinanzierung müssten auch Mittel für die Forschung sein, betonte Schencker- Wicki, die auch mehr Geld für den für Grundlagenforschung zuständigen Forschungsfonds FWF forderte.

Bereits bei der Aufhebung der alten Regelung durch den Verfassungsgerichtshof hatte Töchterle ein dynamisches Modell vorgeschlagen, bei dem die Höhe der Studienbeiträge den autonomen Unis überlassen wird. So werde der Wettbewerb unter den Hochschulen gefördert, wovon die Qualität der österreichischen Hochschulen profitieren würde.


(Quelle: APA/FWF)