„Es gibt kaum eine Zeit, in der gleichzeitig so viel wächst und gleichzeitig geerntet werden kann.“ Das sagt Harald Rammel, bei der Vorarlberger Landwirtschaftskammer zuständig für den Gemüsebau, über die jetzige Jahreszeit. Nachsatz: „Die Natur empfindet diesen Sommer eben etwas anders als der Mensch. Der hätte sich natürlich mehr Sonne gewünscht.“ Es sei dergute Mix zwischen trockenen und nassen Phasen, der die Früchte der Natur bestens gedeihen ließe. „Natürlich“, so Rammel, „war die Feuchtigkeit an der Obergrenze. Aber es passt gerade noch. Von Pilzbefall durch zu viel Feuchtigkeit blieb die Landwirtschaft heuer weitestgehend verschont“, erläutert der Experte.
Lieber so als heiß
Die Natur hat sich in den letzten Wochen das zurückgeholt, woran sie im Frühling Mangel litt: Wasser. Noch vor drei Monaten war es viel zu trocken, Landwirte fingen bereits an, sich Sorgen zu machen. Doch des Sonnenanbeters Leid war des Bauern Freud: Es kam jene Dosis Nass vom Himmel herunter, welche die Äcker und Gärten benötigten. Aus den fruchtbaren Böden wird derzeit fast alles geholt, was bei uns wächst: Kartoffeln, Tomaten, Gurken, Salat, Kohlgemüse, Schnittlauch und einiges mehr. „Lieber ein Wetter wie jenes der letzten Woche, als konstant Temperaturen über 30 Grad ohne Regen“, stellt Harald Rammel klar.Viele Äpfel und Birnen
Freuen dürfen sich auch die Obstbauern. „Es wird heuer viele Äpfel und Birnen geben“, verspricht Ulrich Höfert, Obstbaureferent bei der Landwirtschaftskammer. Höfert spricht von einem guten Obstjahr. „Hätte es nicht einmal gehagelt, wäre es bei Äpfel und Birnen ein sehr gutes geworden.“ So richtig los soll es mit der Apfelernte im September gehen. Etwas zurückhaltender ist Höfert mit Aussagen über den Ertrag bei Zwetschken und diversen Beerensorten. „Da war es in den vergangenen Wochen doch fast zu nass. Die Gefahr von Fäulnis besteht.“Auf der Alp
Eine Zwischenbilanz mit Licht und Schatten zieht die Alpwirtschaft. Noch im Frühjahr befürchtete man einen eklatanten Wassermangel, zumal der wenige Schnee des abgelaufenen Winters für einen unzureichenden Feuchtigkeitshaushalt gesorgt hatte. Doch zwischenzeitlich trat das gegenteilige Extrem ein. „Das schlechte Wetter mit teilweise Schneefall bis unter 2000 Meter wirkte vor allem in den Hochalpen wachstumshemmend für das Gras“, erklärt Alpen- Experte Franz Peter. Die Konsequenz daraus: Das Vieh wird heuer früher von den Alpen herunter ins Tal getrieben. Von einem ausgesprochen schlechten Jahr für die 531 bewirtschafteten Alpen mit ihren 40.000 Tieren will Peter dennoch nicht sprechen. „Das heurige Älplerjahr ist nicht wirklich gut, aber auch nicht wirklich schlecht.“(Quelle: vol.at/Berchtold)
