1.481 Stück hat sie schon beisammen - von A wie "Aalfresse" bis Z wie "Zwiebelhirsch". Die 42- Jährige stickt jedes einzelne in Rosa oder Rot auf ein Blatt Büttenpapier in stilisierter Mädchenhandschrift.
"Ich mag den Bruch zwischen diesem Niedlichen und dem Derben der Schimpfwörter", sagt Ingke Günther. An den immer aus mindestens zwei Begriffen zusammengesetzten Wörtern schätzt sie "die kraftvollen Bilder" und - ja - Schimpfwörter seien auch "Kulturgut". Auch der Duden kommt nicht um die Aufnahme von Schimpfwörtern herum. Aber was sind eigentlich die Kriterien dafür? "Wir haben keine besonderen Maßgaben für Schimpfwörter, sie sind Wörter wie alle anderen. Die Aufnahme erfolgt nach gewisser Gebräuchlichkeit und Verbreitung", sagt Duden- Chefredakteur Werner Scholze- Stubenrecht.
Schimpfwörter machen Spaß
Wörter wie "Gewitterziege" machen Ingke Günther Spaß. Zu ihren ersten Stücken gehörten die "Pissnelke" und der "Spargeltarzan". Ehe sich dann ihre Sammlung verselbstständigte, mit der sie inzwischen bereits etwa zehn Ausstellungen bestückt hat. Wenn sie das unflätige Vokabular nicht im Alltag ergattert ("Ich habe da schon ein besonderes Gehör"), bekommt sie es per Zusendungen über ihre Homepage, aus dem Freundeskreis oder von ihrem Sohn Jan (22), der ihr jüngst die "Klemmschwester" zutrug. Das ist ein Homosexueller, der sich nicht outet.Ingke Günther nimmt nicht alles. Zum Beispiel nichts Erfundenes. "Ich nehme auch nicht zu viele Dialektschimpfwörter, sie müssen schon allgemeinverständlich sein." Und sie hat Schimpfwörter aus allerlei Kategorien: Für Berufsgruppen ("Beamtenarsch"), aus "Omas Zeiten" ("Poussierstängel"), aus der Jugendsprache, mit Tierverwandtschaft ("Planschkuh") und vulgäre.
(Quelle: APA/Bilder Box)
