15 Juli 2011

Ai Weiwei während Haft permanent unter Beobachtung

In seiner mehr als zweimonatigen Haft war der regimekritische chinesische Künstler Ai Weiwei rund um die Uhr unter Beobachtung. Zwei Polizisten teilten ständig den Raum mit ihm, beobachteten ihn sogar unter der Dusche oder auf der Toilette, wie seine Schwester Gao Ge am Freitag berichtete. "Für den Fall, dass er Selbstmord begehen sollte, mussten sie 24 Stunden am Tag über ihn wachen", so Gao.

Der 54- Jährige habe seiner Familie erzählt, dass er in dem Raum auf einem Streifen von knapp sechs Meter ständig auf- und abgegangen sei, um sich zu bewegen und die Langeweile zu vertreiben. Die zwei Wachbeamten hätten zugeschaut. Er habe keinen Zugang zu Fernsehen, Radio, Zeitungen oder Büchern gehabt. Auch habe es kein Papier oder Stifte gegeben. Ein Bett sei das einzige Möbelstück gewesen. "Es gab kein natürliches Licht", berichtete Gao. "Jemand brachte Essen dreimal am Tag - sonst hätte er die Tageszeit nicht gewusst."

Nach seiner Freilassung erschien der 54- Jährige deutlich schlanker als vorher. Die Gewichtsabnahme wurde auch auf die viele Bewegung in Haft zurückgeführt. "Ai Weiwei sagte uns, dass er in den 80 Tagen vermutlich eine Entfernung wie von Peking nach Shanghai zurückgelegt habe", sagte Gao.

Die zwei Wachen in seinem Raum hätten nicht mit ihm reden dürfen. "Sie beobachteten ihn jede Sekunde, ohne auch nur einmal die Augen zu schließen", sagte sie. Der Künstler selbst darf als Bedingung für seine Freilassung nicht mit Journalisten sprechen. Seine Schwester rechnet damit, dass er in Zukunft über seine Haftzeit schreiben werde.


(Quelle: APA)